UNStudio Interview

UNStudio approaches Interior Design from a humanistic and ecocentric point of view.
UNStudio Interview

1. Welchen Ansatz verfolgt UNStudio beim Interior Design?

UNStudio geht beim Interior Design von einem menschen- und ökozentrischen Ansatz aus. Die meisten von uns verbringen den größten Teil ihres Lebens in einem Gebäude und setzen sich mit einem dreidimensionalen Bereich auseinander, statt den Blick nach außen zu richten. Doch fühlen wir uns in der Regel wohler und freier, wenn wir uns draußen befinden und mit der Natur interagieren.
Wie lässt sich diese Interaktion mit der Natur einfangen, um Wohlbefinden und Glücksgefühl zu stimulieren? Wie beeinflusst man den natürlichen Biorhythmus der Bewohner? Die Nutzung von Tageslicht, haptischen Materialien, akustischem Design und sogar die Aktivierung des Geruchssinnes sind Bestandteil einer ganzen Palette von Planungsinstrumenten für die Innenraumgestaltung geworden. Unser Ziel ist es, Projekte zu entwickeln, die Emotionen wachrufen und den Benutzer ansprechen, der wiederum dem Raum seine eigene Geschichte gibt.

2. 2. Welche Rolle spielen Baustoffe und Größenverhältnisse innerhalb des Gesamtprojektes?

Bei Innenbereichen sind Baustoffe und Größenverhältnisse aufs Engste mit dem menschlichen Proportionskanon verbunden. Die umliegende Architektur kann sich von diesen Einschränkungen freimachen, aber in einem geschlossenen Raum braucht der Mensch Bereiche und Strukturen, die menschlichen Proportionen gerecht werden.
Wir sind fasziniert von der Zusammenarbeit mit Lieferanten und Bauunternehmern, die ihren Wissensreichtum gerne mit uns teilen, um den Planungsprozess für die von uns festgelegten Produkte mitzugestalten. Daraus entsteht ein Spiel mit Materialien und Größen der Innenbereiche und schafft eine Verbindung zu den Nutzern.

3. Nennen Sie uns ein Projekt, das den Gestaltungsansatz von UNStudio verdeutlicht und in dem die Materialien eine wichtige Rolle für das Design spielen

Die Tower Lobby von UNStudio ist ein Umbauprojekt im Zuidas South Axis in Amsterdam, das wir vor kurzem fertiggestellt haben. Der UNStudio Tower war 2009 ursprünglich mit zwei Eingangshallen gebaut worden, was der vorgesehenen Weiterentwicklung der Bürotürme an der Zuidas entsprach. Die neue Eingangshalle erhielt nun ein einheitliches flexibles Layout, das an den Charakter des Gebäudes (d.h. die unterschiedlichen Bewohner und Nutzer) und des umliegenden Viertels angepasst ist. 
Bei zweien der wichtigsten Herausforderungen für die Umgestaltung des Atriums ging es darum, dem Erdgeschoss eine spezifische Identität zu geben und eine klare Strategie zum Verlauf der Innenwege für die aus zwei getrennten Bereichen eintretenden Bewohner zu entwickeln.
Unsere Lösung war eine große „Deckenleuchte“, die dem Gebäude eine neue, markante Identität gibt und gleichzeitig der Orientierung dient. Die Deckenleuchte besteht aus hinterleuchteten Oberflächen und parametrisch verteilten Kupferröhren, sie leitet die Menschen von außen in die Halle und zu den Aufzügen. Die Deckenleuchte hat eine reaktive Beleuchtung, die sich im Laufe der Tage und Jahreszeiten ändert und für eine jeweils unterschiedliche Atmosphäre sorgt.
Das fluide gestaltete Erdgeschoss wird zu einem Multifunktionselement, maßgefertigte Möbel und Sitzgelegenheiten sorgen für einen fließenden Übergang zwischen den verschiedenen Ebenen der Eingangshalle.
Die eingesetzten Materialien bringen durch Bodenbeläge, Textilwände und Einbaumöbel eine warme und natürliche Atmosphäre ins Gebäude. Der Kupferröhrenlampe und die Lampe in weißem Farbton schaffen einen deutlichen Kontrast zum warmen Naturmaterial des Bodenbelags und bilden einen Mittelpunkt in der Halle.

4. 4. Es gibt mittlerweile eine Rückkehr zum Dekorativismus, ein Stil, der sich auf Texturen und Farbe konzentriert. Wie geht UNStudio diese Frage im Hinblick auf das Design an?

Bei der Entwicklung jedes Projekts geht UNStudio von einem Problem-Solving-Ansatz aus, der mit der Identifizierung der Innenwege und der Personenzirkulation oder Momenten des Einhalts und der Reflexion für die Bewohner verbunden sind. Diese Aspekte sorgen für eine Verstärkung der kleineren, nuancenreicheren Elemente. Sobald die Funktionen und die Fließrichtung eines Raums innerhalb des Projekts definiert sind, befassen wir uns mit der dekorativen Ausgestaltung, die die Stimmung und den Charakter des Großbereiches beeinflusst. Unsere Planung geht immer von einem Multiskalenansatz aus und bezieht das Makro- und Mikrodesign ein.

5. 5. Welchen Einfluss haben Baumaterialien auf die Nutzererfahrung in einer Designumgebung, in der Oberflächen die visuelle Wahrnehmung des Raumes prägen?

Baumaterialien und Beleuchtung können eine wichtige Rolle in der visuellen und mentalen Wahrnehmung des Raums spielen. Je nach Funktion und Charakter eines Raums kann das Material dessen Aussehen und Wahrnehmung drastisch verändern. Mobilitätsräume benötigen häufig Wartebereiche, in denen die akustische Trennung und das Tageslicht für eine ruhige Atmosphäre sorgen. Deshalb verwenden wir häufig Oberflächen in hellen Farben als Kontrast zu den Naturmaterialien und zur Landschaft. Wohngebäude haben einen gemütlicheren und persönlicheren Charakter, deshalb verwenden wir hier Materialien, die durch ihre Haptik und ihr Größenverhältnis eine Beziehung zur Persönlichkeit des Individuums herstellen können.

6. 6. Intelligente Oberflächen liegen immer mehr im Trend: In Zukunft werden wir daher verstärkt Oberflächen erleben, die den Tastsinn ansprechen. Gibt es neue Horizonte für die Weiterentwicklung von Feinsteinzeug aufgrund seiner Fähigkeit zur Verbindung von Form, Aussehen und hohen Leistungen?

Das besondere Merkmal von Keramik und Feinsteinzeug ist es, zeitlos, dauerhaft und widerstandsfähig zu bleiben. Es ist eine einzigartige Baustofffamilie, die ihre natürlichen Eigenschaften beibehalten und gleichzeitig intelligenter werden müsste. Der Wert dieser sauberen und unveränderlichen Oberflächen wird immer erhalten bleiben, auch in technisch hochmodernen Umgebungen. Die sensorischen Technologien bieten uns die Möglichkeit, humanere, gesündere, sicherere und nachhaltigere Räume zu schaffen. Die neue sensorische Keramik könnte die Möglichkeit schaffen, Form und Funktion in einer zunehmend intelligenten Oberfläche zu verschmelzen, die dabei aber an ihre eigene Vergangenheit anknüpft.

UNStudio Interview
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Das niederländische Architekturbüro UNStudio mit Spezialisierung auf Architektur, Innenarchitektur, Produktdesign, Städteplanung und Infrastrukturprojekten wurde 1988 von Ben van Berkel und Caroline Bos gegründet. Der Name UNStudio steht für United Network Studio und nimmt Bezug auf den Netzwerkansatz, den das Planungsbüro verfolgt.
Im Laufe von mehr als 30 Jahren Tätigkeit im Bereich internationaler Planung hat UNStudio seine Kompetenzen durch die Zusammenarbeit mit einem ausgedehnten Netzwerk von Beratern und Partnern in der ganzen Welt erweitert. Dieses Netzwerk und die zentralen Büros in Amsterdam, Shanghai, Hongkong und Frankfurt ermöglichen UNStudio effizientes Arbeiten in jedem Teil der Welt. Bisher wurden bereits 120 Projekte in Asien, Europa und Nordamerika umgesetzt. Durch die jüngsten Aufträge in China, Südkorea, Australien, Deutschland und Großbritannien baut das Büro seine globale Präsenz weiter aus.
Das Netzwerk hat einen höchst flexiblen methodischen Ansatz entwickelt, der u.a. die parametrische Planung und die Zusammenarbeit mit führenden Spezialisten aus anderen Bereichen umfasst. Das Büro ist seit seiner Gründung international tätig und hat eine Vielzahl von Projekten umgesetzt, die von öffentlichen Gebäuden über Infrastrukturen und Bürogebäuden bis hin zu Wohnungsbau und Städteplanung reichen.
Unter den aktuellen Projekten sind das Mischnutzungsprojekt FOUR in Frankfurt, der Wasl Tower in Dubai und das Projekt Southbank by Beulah in Melbourne. Zu den wichtigsten Projekten gehören das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, der Hauptbahnhof in Arnheim, die Raffles City Hangzhou in China, das Möbius House in den Niederlanden und die Erasmus-Brücke in Rotterdam.

Sontaya Bluangtook ist Senior Architect und Mitarbeiterin von UNStudio in Amsterdam. Sie trat 2012 in das Team von UNS ein, nachdem sie zuvor in verschiedenen internationalen Architekturbüros in Los Angeles und Atlanta praktische Erfahrungen gesammelt hatte. Sontaya zeichnet weltweit für eine Vielzahl von Projekten unterschiedlicher Art und Größe verantwortlich. Sie hat zu einer umfangreichen Anzahl von Projekten beigetragen, die von städtischen Verkehrsknotenpunkten über personalisierte Innenräume bis zum Produktdesign reichen. In jüngster Zeit ist sie am Projekt für das Interior Design und den Umbau der Turmfassade des Hauptsitzes von Hawha in Seoul, Südkorea beteiligt. Ihr Designansatz beginnt mit der menschlichen Variable und konzentriert sich auf die Verbesserung der Nutzererfahrung.

 

Atlas Concorde UNstudio Interview 014

Photo credits by ©Evabloem

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