Piero Lissoni: „Die Beläge sollten im Licht vibrieren.”

Anlässlich der Design Week zeigt Atlas Concorde eine Kollektion aus dreidimensionalen Wandbelägen. Mit den zwei Mustern von Piero Lissoni, 3D Sign und 3D Squares, erfindet der Designer das Konzept des „kontrollierten Fehlers“: etwas, das „passiert“ und der Oberfläche erlaubt, mit dem Licht zu reagieren.
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Piero Lissoni entwirft Sign und Square, zwei der fünf ungewöhnlichen Muster von 3D Wall Carve, einer Kollektion aus dreidimensionalen Wandbelägen von Atlas Concorde. Die Linie entsteht in einer subtilen Alchemie aus Kreativität, Innovation und Produktionskapazität, und sie ergänzt das Sortiment 3D Wall Design, das zum Erfolg der Wandfliesen von Atlas Concorde beigetragen hat.
Für die Entwicklung dieser beiden besonderen Muster hat Piero Lissoni die Beziehung zwischen technologischer Innovation, der traditionellen Kunst der Steingravur und unserer heutigen ästhetischen Sensibilität ausgelotet. Das Ergebnis ist ein faszinierender Wandbelag. Wir sprachen darüber mit dem Mailänder Architekten und Designer und wollten hinter die Kulissen dieser von Lissoni & Partners entwickelten Arbeit schauen, die im Showroom von Atlas Concorde in Brera ausgestellt ist.

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Wie können 3D Sign und 3D Squares vermittelt werden?

Da sind die vielfachen Anwendungsmöglichkeiten. Da ist das vielschichtige Leben, das sie umschließen. Diese Oberflächen vibrieren und lassen sich auf eine ganz besondere Weise ertasten. Ich stelle sie mir auf verschiedenste Weisen vor. In der Wohnung, und an auch stark frequentierten öffentlichen Orten wie Hotels, Cafés und Restaurants. Sie haben keinen bestimmten, definierten Verwendungszweck: Als Designer will ich die Objekte nicht auf eine einzige Umgebung begrenzen. Und für mich sind Oberflächen ebenfalls Objekte, und als solche müssen sie sich in verschiedenen Welten bewegen können.
Was zählt, ist dass sie vom Licht berührt werden. Wo immer das geschieht, funktionieren sie

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Welche kreative Provokation steht an der Basis von 3D Sign und 3D Squares? In welche Richtung zielt Ihre Arbeit?

Als wir beschlossen, eine neue Generation aus Keramikbelägen für die Zukunft ins Leben zu rufen, sind wir weit in die Vergangenheit zurückgereist, und in eine scheinbar ganz andere Welt: Gravuren aus dem 16. Jahrhundert, die Welt der Kunst. Wir sind in Gedanken dorthin zurückgekehrt, wo die Entwicklung der Graffitis, Gravuren etc. begann, um sich dann nach und nach weiterzuentwickeln.
Diese Idee beinhaltet die stetige Aufmerksamkeit gegenüber der technologischen Skalierbarkeit, aber auch eine große künstlerische Sensibilität. Die Herstellung von Keramik ist ein industrielles Unternehmen. Dabei zu versuchen, ein Gleichgewicht zwischen diesem technischeren und dem künstlerischen Aspekt zu erreichen, ist die Herausforderung, der wir uns gestellt haben. Und die wir, wie ich meine, gemeistert haben.

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3D Sign und 3D Squares gehören zu 3D Wall Carve, einer Kollektion aus dreidimensionalen Wandbelägen mit starker sensorieller Wirkung. Wie sind Sie diese Besonderheit des Materials angegangen?

Wann immer ich mir eine Welt aus Oberflächen vorstelle, in diesem Fall aus Keramik, denke ich nicht an formale Perfektion. Mir kommen immer unregelmäßige Strukturen in den Sinn. Ich denke dabei an eine Art kontrollierten Fehler, etwas, das „passiert“ und dazu führt, dass die Fläche mit dem Licht interagiert.

Auf welche Weise wird das Licht in diesem intensiven Dialog mit der keramischen Materie zum Protagonisten?

Mir gefällt die Idee der Vibration, die auftritt, wenn das Licht unterbrochen wird. Wenn Schattenlinien erscheinen, die wieder verschwinden, um nochmals das Licht zu Wort kommen zu lassen. Sei es künstliches oder Tageslicht.  Die Keramikbeläge entstehen aus der Idee dieser Dynamik.
Die neuen, für Atlas Concorde konzipierten Beläge besitzen genau diese Eigenschaft: Sie interagieren mit dem Licht. Und mehr noch: Sie dialogieren auch mit seinem parallelen Element, dem Schatten. Denn um das Licht begreifen zu können, brauche ich Schatten. Wenn ich eine Oberfläche einritze, verändert sich automatisch die Beziehung zwischen Licht und Schatten. Daraus entstand ein sehr delikates Spiel; wir haben eine Art Schachpartie zwischen Licht und Schatten kreiert. So ist die Kollektion entstanden.

Piero Lissoni: „Die Beläge sollten im Licht vibrieren.”
Piero Lissoni: „Die Beläge sollten im Licht vibrieren.”
Piero Lissoni: „Die Beläge sollten im Licht vibrieren.”

Es gibt einen Dialog zwischen Licht und Schatten, aber auch zwischen Kunst und Technik. Wie zeigen 3D Sign und 3D Squares diese Dialektik auf?

Es war nicht einfach, die Seele der Kollektion mit ihrer technischen und technologischen Natur in Einklang zu bringen. Bei der Entwicklung fragten wir uns ständig, wie wir die Oberflächen, die uns vorschwebten, erzeugen und industriell fertigen konnten, um Stück für Stück einwandfreie Qualität zu erhalten.
3D Sign und 3D Squares gründen auf der Absicht, Oberflächen neu zu gestalten und einem humanen, ja mehr noch humanistischen Ansatz entsprechend zu formen, denn hier wurde ein Industriemodell mit der manuellen Berührung, mit den Sinnen verbunden. Diese beiden Projekte wurden für die Industrie entwickelt. Aber sie entstanden aus Menschenhand, aus der Sensibilität, die nur die menschliche Hand haben kann, wenn sie eine Fläche erkundet. Manuelle Berührung und Technologie sind miteinander verschmolzen; die industriellen Oberflächen haben diese Seele bewahrt.

Die Zusammenarbeit zwischen Atlas Concorde und dem für seinen schlichten Stil, die Eleganz der Projekte und einen besonderen Sinn für Proportionen und Harmonie geschätzten Architekten und Designer von internationalem Rang Piero Lissoni hat sich inzwischen mehr als bewährt. Sie begann 2019 mit Canone Inverso, der ersten Dekorkollektion des Designers, und wurde mit dem Projekt des Mailänder Showrooms von Atlas Concorde, für das das Architekturbüro Lissoni&Partners verantwortlich zeichnet, fortgesetzt. Ein Dialog der wechselseitigen Kontamination, in dessen Verlauf Piero Lissoni zum Farbberater der Harzoptik-Kollektion Prism wurde.
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